Ägina

Ägina,
 
neugriechisch Ạ̈jina,  
 1) griechische Insel im Saronischen Golf, 83 km2, 12 400 Einwohner; sie gehört zum Verwaltungsbezirk Attika. Ägina besteht aus vulkanischen Gesteinen, Kreidekalken und -mergeln; die Insel ragt bis 524 m über dem Meeresspiegel auf. Pistazien-, Oliven- und Weinanbau; Hauptwirtschaftszweig ist heute der Tourismus; Wochenendziel für Athener. Hauptort der Insel ist Ägina an der mittleren Westküste, 6 400 Einwohner.
 
 
Ägina, das antike Aigina, war seit etwa 3000 v. Chr. besiedelt, um 2000 begann die griechische Landnahme; seit 1400 blühte auf der Insel die mykenische Kultur. Nach 1200 verödete Ägina teilweise und wurde erst um 900 von Dorern aus Epidauros neu besiedelt. A. gelangte durch Handel (besonders Spanienfahrten) und Piraterie (Sklaverei) zu Reichtum. Handelsfaktoreien entstanden in Ägypten (Naukratis), Italien, auf Kreta und am Pontos. Mitte des 6. Jahrhunderts befreite sich Ägina von der epidaurischen Vorherrschaft und begann, eigene Silbermünzen mit der Schildkröte als Wappen zu prägen. Äginetische Maße und Gewichte galten weithin. Seit Anfang des 5. Jahrhunderts lag Ägina im Kampf mit Athen, 480 und 479 nahm es am Krieg gegen die Perser teil. 456 wurde es von Athen unterworfen und wirtschaftlich vernichtet; damit endeten trotz Neubesiedlung 431 Macht und Bedeutung Äginas. Ab 318 war die Insel makedonisch, ab 229 achaiisch, ab 210 pergamenisch, 129 v. Chr. wurde sie römisch. Große Zerstörungen erlitt sie in byzantinischer Zeit durch die Sarazenen. Im Mittelalter war Ägina ein Seeräubernest (Hauptort: das heute verlassene Palaeochora im Inselinnern) und stand unter fränkischer, dann katalanischer und ab 1451 unter venezianischer Herrschaft. 1537 durch Cheireddin erobert, war Ägina dann zumeist unter türkischer Oberhoheit. 1826-28 erster Regierungssitz des neuen griechischen Königreichs.
 
 
Zu den Überresten der Antike gehört im Nordosten der Insel der gut erhaltene Aphaiatempel vom Ende des 6. Jahrhunderts, ein dorischer Peripteros mit bedeutenden Giebelskulpturen, den Ägineten. Sie wurden 1811 gefunden, 1812 von J. M. von Wagner für den Kronprinzen Ludwig von Bayern erworben und in der Münchner Glyptothek aufgestellt (die Ergänzungen nach Modellen von B. Thorvaldsen, 1816/17, wurden entfernt und 1968-72 entsprechend der ursprünglichen Anordnung aufgestellt). Die Giebel stellen die Kämpfe der äginetischen Heroen Telamon und Aias vor Troja dar; Athene steht jeweils in der Mitte. Der West- und der ursprüngliche Ostgiebel, von dem Fragmente in Ägina und Athen erhalten sind, wurden kurz vor 500 v. Chr., der zweite Ostgiebel um 490/480 v. Chr. geschaffen. Einzelformen und Komposition illustrieren zwei Phasen im Übergang vom archaischen zum »strengen« Stil der frühen Klassik.
 
 
G. Welter: Ä. (1938);
 A. Philippson: Die griech. Landschaften, Bd. 3, 1 (1959);
 E. Kirsten u. W. Kraiker: Griechenlandkunde (51967);
 D. Ohly: Die Aegineten, auf 3 Bde. ber., Bd. 1 (1976);
 D. Ohly: Tempel u. Heiligtum der Aphaia auf Ä. (31981).
 
 2) Golf von Ägina, der Saronische Golf.
 

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Ägi|na; -s: 1. griechische Insel. 2. Hauptstadt von Ägina (1).

Universal-Lexikon. 2012.

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